Ladungssicherung beim Pkw-Transport: Standard statt Bauchgefühl
Ladungssicherung ist der Bereich, in dem aus einem kleinen Fehler sofort ein Totalschaden wird – rechtlich wie wirtschaftlich. Verantwortlich sind Fahrer, Halter und Verlader gemeinsam. Dieser Leitfaden beschreibt den Standard, mit dem Sie jede Kontrolle bestehen.
Physikalische Grundlagen
Die Sicherung muss nach anerkannten Regeln der Technik – insbesondere VDI 2700 ff. – so ausgelegt sein, dass sie in Fahrtrichtung 0,8 g und zur Seite sowie nach hinten 0,5 g der Ladungsmasse aufnimmt. Ein 1.600-kg-Fahrzeug erzeugt bei einer Vollbremsung also eine Kraft, die rund 1.280 kg entspricht.
Radsicherung als Standard
- Fahrzeug mittig und achsgerecht auf die Ladefläche positionieren, Handbremse anziehen, Gang bzw. Parkstellung einlegen.
- Vier Radgurte oder Radkorbgurte über Reifen und Felge legen – niemals über Karosserieteile oder Achsschenkel.
- Gurte diagonal gegeneinander spannen, Zurrwinkel möglichst flach (unter 45°) zur Ladefläche.
- Ratschen gleichmäßig anziehen, Federung sichtbar leicht komprimieren.
- Nach 20 bis 30 Kilometern Fahrt anhalten und nachspannen.
- Zurrmittel mit ausreichender Zurrkraft (LC) verwenden und Kennzeichnungsetikett prüfen.
- Beschädigte Gurte – Einschnitte, Garnbruch, verformte Haken – sofort aussortieren.
- Kantenschutz einsetzen, wo Gurte über scharfe Kanten laufen.
Besonderheiten bei Elektrofahrzeugen
E-Fahrzeuge sind schwerer, haben eine tief liegende Batterie und oft keine mechanische Parksperre im klassischen Sinn. Achten Sie auf die zulässige Achslast des Anhängers, auf die vom Hersteller freigegebenen Abschlepp- und Verzurrpunkte und darauf, den Unterboden im Bereich des Batteriegehäuses niemals als Angriffspunkt zu nutzen.
Prüfroutine vor jeder Abfahrt
- Gesamtgewicht und Achslasten gegen die Fahrzeugpapiere prüfen.
- Alle vier Sicherungspunkte einzeln kontrollieren und fotografieren.
- Stützlast und Kupplung prüfen, Sicherungsseil eingehängt.
- Beleuchtung des Anhängers vollständig testen.
- Fotoserie mit Zeitstempel im Auftragsordner ablegen.
„Die Fotos der Sicherung sind im Schadensfall wertvoller als jede mündliche Zusage."— Thomas Massler
Häufige Fragen
+Wie viele Zurrgurte braucht man für einen Pkw auf dem Anhänger?
Standard sind vier Gurte – je einer pro Rad in Direktsicherung, diagonal gegeneinander gespannt. Zusätzliche Sicherungen ersetzen keinen fehlerhaften Grundaufbau.
+Darf man über die Karosserie zurren?
Nein. Zurrmittel gehören an die vom Hersteller freigegebenen Zurrpunkte oder in Radsicherung über Reifen und Felge. Karosserieteile, Achsschenkel oder Lenkung sind keine Zurrpunkte.
+Wer haftet bei mangelhafter Ladungssicherung?
Fahrer, Halter und Verlader können gemeinsam in der Verantwortung stehen. Als Überführer sind Sie regelmäßig Fahrer und Verlader zugleich – die Dokumentation Ihrer Sicherung ist deshalb Ihr wichtigster Schutz.
+Muss nach der Abfahrt nachgespannt werden?
Ja. Setzungsvorgänge in Federung und Gurten sind normal. Kontrollieren und Nachspannen nach den ersten 20 bis 30 Kilometern gehört zum Standardablauf.
Autor
Thomas Massler
Gründer & Fachdozent, Automovex Academy®
Über 20 Jahre Praxis in Fahrzeugüberführung und Fahrzeuglogistik – von der Einzelüberführung auf eigener Achse bis zur Steuerung von Flottenprojekten für Autohäuser, Leasinggesellschaften und Hersteller.