Kalkulation04. Februar 202610 Min. Lesezeit

Kalkulation in der Fahrzeugüberführung: so rechnen Profis

Die meisten Überführer scheitern nicht an fehlenden Aufträgen, sondern an falsch bepreisten Aufträgen. Wer nur auf den Auftragspreis schaut, arbeitet regelmäßig unter seinen Kosten. Diese Anleitung zeigt die vollständige Kostenlogik – inklusive der Positionen, die fast immer vergessen werden.

Alle Kostenarten auf dem Tisch

Eine belastbare Kalkulation trennt variable Kosten (fallen pro Tour an) von fixen Kosten (fallen immer an). Beide müssen über die Aufträge verdient werden.

  • Variabel: Kraftstoff oder Ladestrom, Maut, Parkgebühren, Bahn- oder Mitfahrkosten für die Rückreise, Verpflegung.
  • Variabel bei Fremdachse: Reifen, Bremsen, Wartung pro Kilometer – kalkulieren Sie einen festen Kilometersatz.
  • Fix: Versicherungen, Buchhaltung, Plattformgebühren, Telefon, Kfz-Steuer, Abschreibung, Rücklagen.
  • Ihre Arbeitszeit – inklusive Fahrt, Wartezeit, Übergabe, Dokumentation und Rückreise.

Die Kalkulationsformel

  1. Gesamtzeit schätzen: Anfahrt + Übernahme (30–45 min) + Fahrzeit + Übergabe (20–30 min) + Rückreise.
  2. Direkte Kosten summieren: Kraftstoff (Strecke ÷ 100 × Verbrauch × Preis) + Maut + Rückreiseticket + Nebenkosten.
  3. Zielstundensatz festlegen – für Einsteiger mindestens 25 €, für spezialisierte Anbieter 35–50 €.
  4. Mindestpreis = direkte Kosten + (Gesamtzeit × Zielstundensatz).
  5. Fixkostenzuschlag ergänzen: 10–20 % auf den Mindestpreis.

Kettentouren statt Einzelaufträge

Der größte Hebel liegt nicht im Preis, sondern in der Auslastung. Wer die Rückreise durch einen Rückauftrag ersetzt, verdoppelt den Deckungsbeitrag des Tages, ohne mehr Stunden zu arbeiten.

  • Zielkorridore definieren: Achsen, die Sie regelmäßig fahren, statt zufällige Einzelziele.
  • Aufträge zeitversetzt bündeln – zwei bis drei Fahrzeuge auf einer Achse pro Tag.
  • Feste Partner an den Endpunkten aufbauen, die Rückaufträge liefern.

Preise durchsetzen

Verhandeln Sie nie über den Preis allein, sondern über die Leistung: Fotodokumentation, digitales Übergabeprotokoll, feste Zeitfenster, Erreichbarkeit. Auftraggeber zahlen Aufpreise für Planbarkeit – nicht für Geschwindigkeit.

„Wer seine Kosten kennt, muss nicht feilschen. Er sagt einfach nein zum falschen Auftrag."
— Thomas Massler

Häufige Fragen

+Was kostet eine Fahrzeugüberführung pro Kilometer?

Marktüblich sind auf eigener Achse grob 0,55 bis 1,20 € netto pro Kilometer, stark abhängig von Distanz, Rückreisemöglichkeit und Fahrzeugklasse. Kurzstrecken erfordern deutlich höhere Kilometersätze, weil Fixzeiten überproportional wirken.

+Wie kalkuliere ich die Rückreise?

Als vollwertige Kostenposition: Ticketpreis plus die benötigte Zeit multipliziert mit Ihrem Zielstundensatz. Alternativ ersetzen Sie die Rückreise durch einen Rückauftrag und verrechnen die Zeit dort.

+Welchen Stundensatz sollte ich ansetzen?

Einsteiger sollten 25 € pro Arbeitsstunde nicht unterschreiten. Wer Direktkunden, Spezialfahrzeuge oder Premiumprozesse anbietet, erreicht 35 bis 50 € – bei entsprechend belegter Prozessqualität.

+Lohnen sich Plattformaufträge überhaupt?

Ja, als Grundauslastung und für den Einstieg. Der Gewinn entsteht aber über Kettentouren und Direktkunden. Nutzen Sie Plattformen, um Lücken zu füllen, nicht um den Kalender zu füllen.

Autor

Thomas Massler

Gründer & Fachdozent, Automovex Academy®

Über 20 Jahre Praxis in Fahrzeugüberführung und Fahrzeuglogistik – von der Einzelüberführung auf eigener Achse bis zur Steuerung von Flottenprojekten für Autohäuser, Leasinggesellschaften und Hersteller.

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