Aufträge finden in der Fahrzeugüberführung: Plattformen und Direktkunden
Am Anfang steht immer die Frage: Woher kommen die Aufträge? Die Antwort hat zwei Ebenen. Plattformen liefern schnell Volumen, aber schmale Margen. Direktkunden liefern Marge und Planbarkeit, brauchen aber Vertrauen und Nachweise. Wer beides kombiniert, arbeitet stabil.
Plattformen richtig nutzen
Überführungsplattformen vermitteln Aufträge zwischen Autohäusern, Händlern, Leasinggesellschaften und Fahrern. Sie unterscheiden sich in Gebührenmodell, Auftragsdichte pro Region, Zahlungsziel und Anforderungen an Dokumentation und Versicherung.
- Zwei Plattformen konsequent bespielen schlägt fünf Plattformen halbherzig.
- Profil vollständig ausfüllen: Versicherungsnachweis, Fahrzeugklassen, Einsatzradius, Reaktionszeit.
- Die ersten Aufträge bewusst auf gute Bewertungen ausrichten – Bewertungen sind Ihre Währung.
- Zahlungsziele und Stornobedingungen vor der ersten Buchung lesen.
Direktkunden gewinnen
Der größte Sprung im Ergebnis entsteht beim Wechsel von der Plattform zum Direktauftrag: keine Vermittlungsgebühr, verhandelbare Preise, wiederkehrende Volumina. Zielgruppen sind Autohäuser, freie Händler, Leasing- und Flottengesellschaften, Werkstätten, Aufbereiter und Auktionshäuser.
- Zielliste bauen: 40 bis 60 Betriebe im Umkreis von 100 km, mit Ansprechpartner.
- Referenzmappe erstellen: Musterprotokoll, Fotostandard, Versicherungsnachweis, Preisliste.
- Erstkontakt persönlich oder telefonisch – nicht per Serienmail.
- Testauftrag anbieten, tadellos abwickeln, Protokoll noch am selben Tag liefern.
- Nach zwei Wochen nachfassen und Rahmenkonditionen vorschlagen.
Positionierung statt Preiskampf
Wer sich als günstiger Fahrer positioniert, konkurriert mit allen. Wer sich als Spezialist positioniert, konkurriert mit wenigen. Naheliegende Spezialisierungen: Elektrofahrzeuge, Premium- und Sportwagen, Leasingrückläufer mit Zustandsbewertung, internationale Überführungen.
„Ein Autohaus wechselt selten wegen 20 Euro den Dienstleister – aber sofort wegen eines fehlenden Protokolls."— Thomas Massler
Kunden halten
- Feste Erreichbarkeitszeiten kommunizieren und einhalten.
- Übergabeprotokoll und Fotos automatisiert innerhalb von 24 Stunden liefern.
- Monatliche Sammelrechnung statt Einzelrechnungen anbieten.
- Bei Verzögerungen aktiv informieren, bevor der Kunde nachfragt.
- Quartalsweise nach Feedback fragen – und es dokumentieren.
Häufige Fragen
+Welche Plattform ist für Fahrzeugüberführung die beste?
Es gibt keine pauschal beste Plattform – entscheidend ist die Auftragsdichte in Ihrer Region und das Gebührenmodell. Testen Sie zwei Anbieter acht Wochen lang und vergleichen Sie den Deckungsbeitrag pro Arbeitsstunde.
+Wie komme ich an Aufträge von Autohäusern?
Über persönliche Ansprache mit einer Referenzmappe: Musterprotokoll, Fotostandard, Versicherungsnachweis und klare Preise. Ein tadellos abgewickelter Testauftrag ist der übliche Einstieg in eine dauerhafte Zusammenarbeit.
+Brauche ich eine eigene Website für Direktkunden?
Eine schlanke, seriöse Präsenz mit Leistungen, Einsatzgebiet und Kontakt reicht. Wichtiger als das Design sind nachprüfbare Angaben zu Versicherung, Dokumentation und Erreichbarkeit.
+Wie viele Aufträge sind pro Tag realistisch?
Auf eigener Achse sind je nach Distanz ein bis drei Fahrzeuge pro Tag üblich. Entscheidend ist die Kettenplanung: Zwei verkettete Aufträge schlagen drei einzelne mit langen Rückreisen fast immer.
Autor
Thomas Massler
Gründer & Fachdozent, Automovex Academy®
Über 20 Jahre Praxis in Fahrzeugüberführung und Fahrzeuglogistik – von der Einzelüberführung auf eigener Achse bis zur Steuerung von Flottenprojekten für Autohäuser, Leasinggesellschaften und Hersteller.